schöner sonntag

ein schöner sonntag, sagt die frau hinter mir, als wir spätnachmittags die rolltreppe in der u-bahn-station residenzstraße nach oben fahren.

wir hatten den schäfersee umrundet, die pankower allee durchlaufen, vorbei am alten straßenbahn-depot, das im vorbeigehen so vielversprechend idyllisch aussieht, aber dann doch nur die üblichen discounter beherbergt. die kühnemannstraße liegt verlassen da, bunte blätter bläst der weiche wind übers bucklige pflaster. die panke fließt uns entgegen: wir denken schon vom ziel her. unter der s-bahn und über die mauerschwelle nach pankow durchgemogelt. im garten der mirabelle dösen herbstversunkene vor ihrem latte.

der bürgerpark empfängt uns mit zur schau gestellter lässigkeit. familien genießen das spiel des sonntagnachmittags. hier ist der platz des kosmischen friedens. das sozialistische ambiente: ein morbides schauspiel.

schloss schönhausen. ein hingeworfenes renaissance-relikt aus einer nicht mehr vorstellbaren ferne, einem meer aus zeit. vielleicht aus der vergangenheit, doch viel eher aus der zukunft. das hat uns architektur noch zu sagen: lebe in deiner wahrnehmung.

ein schwarzer tschaika fährt langsam die tschaikowskiallee entlang. am steuer eine ernste frau mit schwarzem schleier, der von ihrer hutkrempe herabfällt. sie hält kurz vor dem schloss. natürlich wendet sie, dies aber nur, um nochmal denselben weg einzuschlagen. wir werden sie wieder und wieder sehen.

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