residenzstraße, stilgefühl

er wirkt hell und freundlich. obwohl zehn meter unter der oberfläche der stadt und von kunstlicht erleuchtet, scheint das satte gelb der kleinen rosettenartige blüten warm in den kalt durchhauchten u-bahnhof.

es ist ruhig. es ist sonntag, morgen. hinter mir auf der bank liegt ein weggetretener junger mann. die karyatiden wecken ein jugendstilgefühl. in meinem rücken eine stimme: „du bist doch der, der immer unseren briefkasten ausräumt.“ durchdringende blicke bohren sich in mich, ich drehe mich um, flackern in den augen. gleich wieder ruhig.

ich bin müde und habe noch eine weite busfahrt vor mir.

U-Bahnhof Residenzstraße

u-bahnhof residenzstraße

und dann geht es los. bahn fährt ein, türen öffnen, warnsignal (mittlerweile ikonisch), türen schließen. schienen quietschen, weichen antworten, achsen ächzen. ich stelle mir die schienenwelt wie einen weiten raum vor, voller wege, mit schnittstellen, abbiegemöglichkeiten. wege im großen dunkel. elegantes gleiten auf geheimen pfaden.

franz-neumann-platz, osloer straße, pankstraße, gesundbrunnen, umsteigen. in der s-bahn der nächste irre. spult einen englischen text ab, in dem er deutsche als faschisten beschimpft. ich kann diesen stereotypen scheiß nicht mehr hören. hört man dem gebrabbel weiter zu, geht es in wahrheit darum, dass er von seinem arbeitgeber zu wenig geld bekommen hat. zumindest meint er das. und dafür setzt er seine kollektivverdammung in die welt?

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